Annemarie Schimmel

Annemarie Schimmel wurde am 7. April 1922 in Erfurt als Tochter eines Postbeamten geboren. Bereits mit 15 Jahren begann sie, Arabisch zu lernen. Sie übersprang zwei Schuljahre, legte mit 16 Jahren ihr Abitur ab und begann 1939 an der Universität Berlin zuerst Chemie und Physik und später Arabistik und Islamwissenschaften zu studieren. Bereits 1941 promovierte sie und arbeitete bis zum Kriegsende als Übersetzerin im Auswärtigen Amt. 1946 habilitierte sie an der Universität Marburg, wo sie bis 1954 als Dozentin tätig war und 1951 in Religionsgeschichte mit dem Thema „Studien zum Begriff der mystischen Liebe in der frühislamischen Mystik“ abermals promovierte. 1954 folgte sie einem Ruf als Professorin für Religionsgeschichte an die Islamisch-Theologische Fakultät der Universität Ankara. 1961 ging sie nach Bonn, 1967 an die Harvard-University, wo sie ein indo-islamisches Institut aufbauen sollte. In den folgenden Jahren übernahm Annemarie Schimmel Lehraufträge an verschiedenen Universitäten im In- und Ausland.

Annemarie Schimmel erhielt 1995 vom Börsenverein des Deutschen Buchhandels den Friedenspreis für ihr Lebenswerk. Die Entscheidung wurde zunächst allgemein begrüßt, dann aber geriet Schimmel wegen eines Interviews ins Kreuzfeuer öffentlicher Kritik. Sie warf dem Schriftsteller Salman Rushdie vor, über den Irans Revolutionsführer Ayatollah Khomeini 1988 ein Todesurteil verhängt hatte, mit seinem Roman „Die satanischen Verse“ auf eine „sehr üble Art die Gefühle einer großen Menge von Gläubigen“ verletzt zu haben. Später entschuldigte sich Schimmel und betonte, sie sei keine Fundamentalistin und unpolitisch im Sinne der Tagespolitik. Zu ihrem 75. Geburtstag richtete die Universität Bonn ihr zu Ehren 1997 den Annemarie-Schimmel-Lehrstuhl für indo-islamische Kultur ein. Auch nach ihrer Pensionierung arbeitete sie noch an der Universität, hielt Seminare und Vorlesungen.

Annemarie Schimmel starb am 23. Januar 2003 in Bonn. Sie galt als eine der bekanntesten Islamwissenschaftlerinnen des 20. Jahrhunderts. Sie hat weit über 100 Bücher, Artikel und wissenschaftliche Veröffentlichungen publiziert.

(Quelle: Börsenverein des Deutschen Buchhandels, Frankfurt 1995)

 

Auszeichnungen


1965 Friedrich-Rückert-Preis der Stadt Schweinfurt

1982 Bundesverdienstkreuz 1. Klasse mit Stern u. Schulterband

1983 Ehrenhalbmond der Islamischen Republik Pakistan

1992 Dr.-Leopold-Lucas-Preis der Universität Tübingen

1995 Friedenspreis des Deutschen Buchhandels

1996 Ägyptischer Verdienstorden für Kunst und Wissenschaft 1. Klasse

1997 Ehrenmitglied des Zentralrats der Muslime in Deutschland

2001 Reuchlin-Preis der Stadt Pforzheim

2002 Dostlik-Orden der Republik Usbekistan

2003 Muhammad-Nafi-Tschelebi-Medienpreis